Trainieren für den Ernstfall.
Dank JUDO ein sauberes Vergnügen.

„Brace, brace, brace!“, ruft der Sicherheitstrainer, während die Helikopter-Kabine samt vier angeschnallter Passagiere ins Wasser gleitet. Diese wiederum nehmen schnell die sogenannte Brace Position ein, eine spezielle Körperhaltung, die bei einem Flugunfall einen Schutz vor Verletzungen bietet. Kaum blasen die Insassen einen tiefen Luftzug in ihren Atembeutel, das Emergency Breathing System (EBS) – schon steht die komplette Kabine nicht nur unter Wasser, sondern dreht sich auch noch um 180 Grad. Die Passagiere sitzen kopfüber. Jetzt heißt es Ruhe bewahren! Immer noch angeschnallt sitzen bleiben, sich orientieren und aus dem EBS atmen, bis der Sicherheitstrainer das Signal zum Evakuieren gibt. Jetzt Fenster rausdrücken, Referenzpunkt suchen, noch einen Atemzug aus dem EBS nehmen, raus aus dem Fenster – und ab an die Wasseroberfläche. Geschafft!

Helicopter Underwater Escape Training im Offshore-Trainingszentrum

Abschnallen, orientieren, Fenster rausdrücken und schnell raus aus der Kabine: die Teilnehmer üben für den Ernstfall.

Falk Nutec agiert weltweit als professioneller Anbieter von Kursen und Beratungen.

Nur wenige Sekunden dauert dieser nervenaufreibende Vorgang. Korrekt durchgeführt, kann die richtige Verhaltensweise im Ernstfall das eigene Leben retten. Während bei einem realen Helikopter-Unglück in der sinkenden Kabine schnell Panik ausbricht und jeder auf sich selbst gestellt ist, haben es die Passagiere in dieser Kabine um einiges einfacher. Sie sind Teilnehmer des „Helicopter Underwater Escape Trainings“, einem Sicherheitstraining, das im sicheren Becken des Offshore-Trainingszentrums Falck Nutec in Bremerhaven stattfindet. Diese Kurse dienen zur Verhinderung und Bewältigung von Krisensituationen auf hoher See. Die erfolgreiche Teilnahme zählt für Personal in maritimen Umgebungen, die berufsbedingt häufig über Wasser fliegen, zum Pflichtprogramm. Das konkrete Ziel dieses Kurses: das blanke Überleben in einer Helikopter-Crash-Situation auf hoher See.

Erst die Theorie, dann die Praxis.

Die einzelnen Verhaltensregeln sowie das korrekte Verwenden von Hilfsmitteln und der Rettungsausrüstung lernen die Teilnehmer zunächst in einem ausführlichen, halbtägigen Theorieteil. Erst danach heißt es: Sicherheitsausrüstung anziehen und ab ins Wasser – der aufregende praktische Teil beginnt. Für die Sicherheit hat Falck Nutec natürlich bestens gesorgt: Jedem Teilnehmer steht ein persönlicher Sicherheitstrainer zur Verfügung, zusätzlich überwachen zwei Rettungstaucher den Trainingsverlauf. „Ein gewisser Respekt ist bei solchen Übungen ganz normal und auch von Vorteil. Schließlich üben wir für den Ernstfall. Aber es ist wichtig, dass unsere Kursteilnehmer sich auf ihre persönliche Sicherheit absolut verlassen können. Sie sollen sich vor allem auf die einzelnen Evakuierungsschritte konzentrieren und diese verinnerlichen“, so Sebastian Boeken, Sicherheitsausbilder bei Falck Nutec.

Übung macht bekanntlich den Meister. Und die ist hier besonders wichtig, denn die Eigen-Evakuierung muss im Ernstfall schnell und souverän wiederholt werden können – dann auch bei realen Bedingungen, wie Dunkelheit, in trübem, salzigem oder sehr kaltem Meerwasser. Trainiert wird bei Falck Nutec allerdings unter weit komfortableren Wasserbedingungen – bei angenehmen 22 °C, klarem und sauberen Wasser, in einem Becken von 8 m Länge, 15 m Breite und einer Tiefe von 3,50 m.

Schwimmbecken im Offshore-Trainingszentrum

Im Becken des Offshore-Trainingszentrums Falck Nutec sorgt JUDO für die optimale Wasserqualität.

Individuelle Technik für sauberes Beckenwasser

Für die einwandfreie Wasserqualität sorgt die Schwimmbadtechnik von JUDO Wasseraufbereitung. Die Aufgabe lautete, die komplette Beckenwasseraufbereitung für die Trainingsanlage zu konzipieren, bauen und in Betrieb zu nehmen.

Die Hochsee-Trainingsanlage wurde in einer ehemaligen Werfthalle errichtet, die direkt am Meer liegt und für dieses Bauvorhaben komplett entkernt und saniert wurde. Hier war bereits ein Becken vorhanden, das renoviert, aufwändig vergrößert und stabilisiert werden musste. Die entsprechende, umfangreiche Schwimmbadtechnik musste natürlich in unmittelbarer Nähe installiert werden. Schnell erkannten die JUDO Experten, wo in diesem Fall eine besondere Herausforderung lag: im stark begrenzten Platzangebot. „Technik von der Stange gibt es bei unseren Großprojekten natürlich sowieso nie. Für dieses Projekt wurde ein berechneter Umwälzvolumenstrom von rund 56 m3/h zugrunde gelegt. In diesem Fall mussten wir zudem etwas improvisieren, weil wir für unsere Anlagentechnik nur wenig Platz einplanen konnten und die Mehrschichtfilteranlage im Obergeschoss des Gebäudes installiert werden musste,“ so JUDO. Die vorhandenen Technikräume erlaubten es nicht, den für die Wasseraufbereitung eigentlich notwendigen Ausgleichsbehälter zu installieren. Diese Ausgleichsbehälter nehmen normalerweise das Schwapp- und Verdrängungswasser auf und stellen das benötigte Rückspülwasser für die Filteranlage zur Verfügung. Erst nach Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt durfte auf diesen Behälter verzichtet werden. „Gar kein Problem – wir haben diese Hürde gemeinsam mit dem örtlichen Gesundheitsamt gemeistert, indem wir das benötigte Filter-Rückspülwasser nun direkt dem Becken entnehmen“, erklärt JUDO. In Konsequenz daraus wurde die Überlaufrinne so ausgewählt, dass aus dem Becken anfallendes Wellenschwappwasser direkt in den Kanal gespült wird. Die erforderliche, kontinuierliche Frischwassernachspeisung, die über eine spezielle Niveauüberwachung direkt im Becken erfolgt, wurde über eine gesonderte Systemtrennung abgesichert. Die Auslegung der Schwimmbadtechnik richtete sich bis auf diese kleine Ausnahme streng nach der DIN 19643, „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“.

Wasserfiltration

Bei Falck Nutec finden täglich gleich mehrere Trainings statt, dabei werden technische Geräte, komplette Rettungsausrüstungen und andere Gegenstände mit ins Wasser genommen, die zusätzliche Verunreinigungen einbringen können. Die Wasserfiltration spielt daher eine wesentliche Rolle.

Das Beckenwasser wird dazu von der Stirnseite des Beckens mit speziell ausgewählten Beckenbauteilen, welche die DIN EN 13451 „sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren für Schwimmbecken“ erfüllen, angesaugt und über ein Rohrleitungssystem der JUDO GIGANT Mehrschicht-Filteranlage zugeführt. Diese Aufgabe erledigt die JUDO GIGANT Umwälzpumpe mit vorgeschaltetem Haar- und Faserfänger, die mit entsprechenden Absperrarmaturen, Manometern und einem Frequenzumrichter ausgestattet wurde, über den die Pumpendrehzahl angepasst wird. Eine Rückschlagkappe, die auf der Druckseite der Umwälzpumpe integriert wurde, verhindert eventuellen Rückfluss von Wasser.

Bevor das Wasser die Mehrschicht-Filteranlage erreicht, wird ihm eine Polyaluminiumchlorid-Lösung zugeimpft, die per JUDO Schlauchdosierpumpe direkt und bequem dem Liefergebinde entnommen und in den berechneten Umwälzvolumenstrom eindosiert wird. Diese Lösung dient der in öffentlichen Bädern vorgeschriebenen kontinuierlichen Flockungsfiltration. „Mit dieser Technik lassen sich auch feindisperse Teilchen und teilweise gelöste organische Substanzen im Filterbett zurückhalten und anschließend ausspülen. Ein einfaches Filtersystem würde lediglich Schwimm-, Fest- und Sinkstoffe entfernen – das reicht hier natürlich nicht,“ erklärt JUDO.

JUDO GIGANT Umwälzpumpe im Offshore-Trainingszentrum

Die JUDO GIGANT Umwälzpumpe saugt das Wasser aus dem Becken und fördert es in die JUDO GIGANT Mehrschicht-Filteranlage.

In der GIGANT Mehrschicht-Filteranlage angelangt, wird das Wasser gründlich gereinigt. Speziell angeordnete pneumatische Einzelklappenventile, die über ein vordefiniertes Programm angesteuert werden, sorgen für einen kontrollierten Wasserdurchfluss: Ungelöste, sichtbare oder ausgeflockte Verschmutzungen werden sowohl auf der Filterbettoberfläche als auch in der Tiefe des Filterbetts zurückgehalten. Diese Partikel werden durch eine zeit- und differenzdruckgesteuerte Rückspülung wieder aus dem Filterbett entfernt – wie es die DIN 19643 fordert, mit einer Fließgeschwindigkeit von 55 m/h. Die Norm beschreibt neben allgemeinen Forderungen an Schwimmbadfiltern außerdem die Verfahrenskombination Adsorption-Flockung-Filtration-Chlorung. Aufgrund des geringen Trihalogenmethan-Bildungspotentials im Füllwasser konnte in diesem Fall auf ein separates Verfahren der Adsorption verzichtet werden. Die obere, grobkörnige Anthrazitschicht dient als Tiefenfilter mit geringem Druckverlustanstieg, sorgt für eine höhere Filterlaufzeit und verhindert einen Filterdurchbruch. Die bestehende poröse Oberflächenstruktur von Anthrazit ermöglicht eine Adsorption auch von feinsten Schmutzpartikeln. Die unteren, feinkörnigen Quarzsandschichten weisen spezifische Eigenschaften in ihrer Körnung sowie Dichte auf und halten selbst feinste Teilchen zurück.

JUDO GIGANT Mehrschicht-Filteranlage und JUDO GIGANT Dosiersystem im Offshore-Trainingszentrum

Sorgen für hygienische Beckenwasserqualität: die JUDO GIGANT Mehrschicht-Filteranlage und das JUDO GIGANT Dosiersystem.

Wasserhygiene

Absolut stabile, hygienische Wasserverhältnisse sind ein Muss – und zwar rund um die Uhr. Um dies zu gewährleisten, werden dem Wasser verschiedene Zusatzstoffe hinzugefügt: Ein aus drei Dosierpumpen bestehendes GIGANT Dosiersystem impft flüssiges Chlor sowie pH-Wert-Korrekturmittel (pH-Wert-Senker/-Heber) vollautomatisch und bedarfsabhängig in die Versorgungsleitung. Gesteuert wird das Dosiersystem durch eine automatische JUDO GIGANT Mess- und Regeltechnik, die die Wasserparameter Chlor, pH-Wert und Redox-Potenzial kontinuierlich misst und die Dosierung der Zusatzstoffe entsprechend regelt.

Bezüglich der Wasserhygiene spielt neben der Desinfektionsanlage auch der einzubringende Umwälzvolumenstrom eine entscheidende Rolle. Bei einem rechteckigen Becken im Normalfall schnell ausgelegt, erwies sich die Konzipierung der vertikalen Bodeneinströmung in diesem Fall als Herausforderung: „Im Becken gibt es einige statische Punkte, die wir bei unserer Planung berücksichtigen mussten: die Beckenstabilisierung und auch technische Geräte, die am Beckenboden befestigt werden sollten. Die vertikale Bodeneinströmung musste also so geplant werden, dass sie sich optimal in die Fixpunkte integriert und Totzonen (stehendes Wasser) vermieden werden“, so JUDO. Um die erforderliche Beckendurchströmung zu ermöglichen, griffen die Experten auf die sogenannte Hirschgeweih-Verrohrung zurück, die im ganzen Becken eine gleichmäßige Einströmung gewährleistet. Um dies noch konsequenter sicher zu stellen, wurden u.a. Einlaufdüsen eingesetzt, die sich im Durchfluss variieren ließen. 

Beckenwassererwärmung

Während Menschen in Seenot vor allem auch mit extremer Kälte konfrontiert sind, haben es die Teilnehmer der Sicherheitskurse hier deutlich komfortabler. Seitens Falck Nutec lautete die Vorgabe für die Beckenwassertemperatur 20 bis 22 °C. Die technischen Möglichkeiten einer Beckenerwärmung sind vielfältig. Die einfachste und gleichzeitig kostengünstigste Variante erwies sich hier jedoch als die geeignetste: „Wir konnten die Anlagenkosten absolut gering halten und vorhandene Ressourcen optimal ausnutzen – wir haben die Beckenwasserwärmung an die vorhandene Gebäudeheizung angeschlossen. Hierbei wird die Beckenwassertemperatur über einen separaten JUDO GIGANT Wärmetauscher mit integriertem Temperaturfühler kontinuierlich gemessen und überwacht.“ erklärt JUDO. „Durch dieses Verfahren dauerte es nur zwei Tage, um die gesamte Erstaufheizung des Beckens zu realisieren.“

Schaltzentrale

Das Herzstück der Schwimmbadwasseraufbereitung wurde gleich neben der Filteranlage installiert: die GIGANT Schaltzentrale, in der alle Funktionen für einen optimalen Betrieb zusammenlaufen. Über das passwortgeschützte Bedienpanel, das mit Betriebsstundenzähler und Störmeldehistorie ausgestattet ist, können Filterzeiten programmiert sowie Betriebszustände und Störmeldungen angezeigt werden. Die integrierte Niveausteuerung regelt die Frischwassernachspeisung des Beckens sowie den Trockenlaufschutz der Filterumwälzpumpe.

Der in der Schaltzentrale integrierte Frequenzumrichter hält den benötigten Umwälzvolumenstrom konstant und steuert die Rückspülleistung. Nachts reduziert der Frequenzumrichter nach einer vordefinierten Zeit automatisch die Umwälzleistung. Dies ermöglicht Falck Nutec einen kostensparenden und energieeffizienten Betrieb.

JUDO GIGANT Schaltzentrale im Offshore-Trainingszentrum

Das Herzstück der Anlage ist die JUDO GIGANT Schaltzentrale: Von hier aus lassen sich alle wichtigen Funktionen steuern und überwachen.