Legionellen: Gefährlich, unsichtbar und fast überall zu finden

Legionellen: Gefährlich, unsichtbar und fast überall zu finden

„Rein und genusstauglich“ muss unser Trinkwasser laut Trinkwasserverordnung sein. Die Verordnung gibt klare Vorgaben an die Wasserqualität vor. So dürfen beispielsweise keine Krankheitserreger und Stoffe in gesundheitsschädigenden Konzentrationen enthalten sein. In Deutschland unterliegt das Trinkwasser strengen Grenzwerten und kann bedenkenlos getrunken werden. Allerdings ist auch dieses Wasser nicht steril und enthält winzig kleine Mikroorganismen, die mit dem bloßen Auge nicht auszumachen sind. In geringer Anzahl stellen sie kein Problem dar. Steigt die Menge jedoch an, erhöht sich auch das Gesundheitsrisiko. Hier erfahren Sie, was in einem solchen Fall zu tun ist:

Wo ist das Risiko für Legionellen besonders groß?

In großen Wohnanlagen sowie Schulen, Krankenhäusern oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen besteht ein erhöhtes Legionellenrisiko. Denn dort findet oftmals kein regelmäßiger und vollständiger Wasseraustausch statt. Da die Anlagen Wasser für die Öffentlichkeit bereitstellen, richten die Gesundheitsämter ein besonderes Augenmerk auf sie. Die Trinkwasserverordnung schreibt in öffentlichen Gebäuden spätestens alle drei Jahre eine Untersuchung auf Legionellen (nach DIN EN ISO 19458) vor. Wichtig ist, dass in 100 Milliliter Wasser der sogenannte „Technische Maßnahmewert“ von 100 KBE (Koloniebildende Einheit) nicht überschritten wird.

Übersicht:
• Bei mehr als 100 KBE pro 100 Milliliter Wasser muss das Gesundheitsamt informiert werden. Dieses legt fest, welche Maßnahmen ergriffen werden. Eine Möglichkeit ist unter anderem die umfangreiche technische Sanierung des Warmwassersystems.
• Bei mehr als 1.000 Legionellen pro 100 Milliliter Trinkwasser muss unverzüglich eine weiterführende Untersuchung (gemäß DVGW W551) durchgeführt werden. Es folgt in der Regel als Sofortmaßnahme eine Standdesinfektion (nach DVGW W 557).
• Ab 10.000 Legionellen pro 100 Milliliter Trinkwasser kann ein sofortiges Duschverbot auferlegt werden, da insbesondere mit den Aerosolen eines Duschwasserstahls die Legionellen tief in die Lunge eindringen und die gefährliche Legionärskrankheit auslösen können.

Was man gegen Legionellen tun kann. Und muss.

Bild 1: Legionellen können ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen.

Die Verantwortung liegt beim Betreiber

Für die Besitzer, spätestens aber für die Betreiber von Trinkwasseranlagen, kann eine Vernachlässigung der Hygiene rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Laut § 24 der Trinkwasserverordnung macht sich jeder strafbar, der vorsätzlich oder fahrlässig Wasser abgibt oder anderen zur Verfügung stellt, das nicht den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht. Es macht sich außerdem derjenige strafbar, der durch eine vorsätzliche Handlung Krankheiten oder Krankheitserreger nach § 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes verbreitet. 

Hygiene-Risiken gibt es in jeder Trinkwasserinstallation

Auch wenn Planer und Installateure die Trinkwasserinstallation perfekt geplant, eingebaut und in Betrieb genommen haben: Wird die Anlage nicht bestimmungsgemäß betrieben, besteht das Risiko der Nachverkeimung. Vor allem dann, wenn in großen, verzweigten Wasserverteilungsanlagen kein regelmäßiger Wasseraustausch gegeben ist oder die Temperaturen falsch eingestellt sind. Das Risiko wird noch größer, wenn sich stagnierende Bereiche oder sogar stillgelegte Leitungen, sogenannte Totleitungen, darin verbergen. Eine Gefahr stellen ebenso eine mangelhafte Dämmung und die falsche Werkstoffauswahl dar. Genauso wie verkalkte und rostige Leitungen. Denn: Inkrustierungen oder Ablagerungen im Rohr sind mit ihrer zerklüfteten Oberfläche ein ideales Besiedlungsgebiet für Keime.

Verkalkte Rohrleitung

Bild 2: Inkrustierungen oder Ablagerungen im Rohr sind mit ihrer zerklüfteten Oberfläche ein ideales Besiedlungsgebiet für Keime.

Welche Faktoren und Maßnahmen können die Bildung von Legionellen verringern?

1. Fachgerechte Auslegung der Trinkwasserinstallation
Bei der Auslegung einer Neuanlage ist es wichtig, den geeigneten Werkstoff (nach DIN EN 12502) auszuwählen. Zudem sollten die Leitungen so konzipiert sein, dass Stagnationszeiten möglichst kurz gehalten und Totleitungen vermieden werden. Im Idealfall liegt die Hauptnahmestelle am Ende der Installation. Es gilt außerdem: Trinkwassererwärmer und Rohrleitungen dürfen so klein wie möglich, aber nur so groß wie nötig sein. Auch ist es bereits während der Planung sinnvoll, die Option einer manuellen Desinfektion einzubeziehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Nach den technischen Regeln für Trinkwasserinstallation DIN 1988-200 ist es Pflicht, einen mechanischen Schutzfilter (nach EN 13443-1 und DIN 19628) einzubauen. Die Empfehlung geht zu einem rückspülbaren Filter. Zudem sollten Totstränge und Wassersäcke dauerhaft abgetrennt werden. Durch den fachgerechten Einbau und Betrieb von Regelarmaturen kann die hydraulische sowie thermische Durchströmung der Warmwasserverteiler sichergestellt werden. Es ist zudem sinnvoll, den Inhalt eines Warmwasserspeichers auf das Notwendige zu begrenzen.

2. Hygienische Installation und Inbetriebnahme
Grundsätzlich gilt: weder Schmutz noch Bakterien dürfen in das System eingebracht werden. Abhilfe schaffen kann die saubere Lagerung der Komponenten, wie Rohrleitungen und Armaturen. Auch das Tragen von Einmalhandschuhen bei Reparaturen trägt zur Hygiene bei. Hinzu kommen die Desinfektion von Werkzeugen und Geräten sowie die Verwendung geprüfter, vormontierter Geräte.

3. Eine Grundvoraussetzung: Saubere Rohrinnenflächen
Bei zu weichem, aggressivem Wasser kann die gezielte Zudosierung von Minerallösungen einen sicheren Schutz vor Korrosion bieten. Bei zu hartem Wasser kommen außerdem Anlagen zur Wasserenthärtung oder für den alternativen Kalkschutz zum Einsatz. Die Verfahren beider Anlagen sorgen für eine glatte, saubere Rohrinnenfläche ohne härtebedingte Verkrustungen. Sollte bei bestehenden Systemen eine akute Verkeimung mit den üblichen Maßnahmen nicht zu beseitigen sein, eignen sich Anlagen, die Chlordioxid erzeugen und gleichzeitig mengenproportional in das Trinkwasser dosieren. Chlordioxid ist ein hochwirksames Trinkwasser-Desinfektionsmittel im Kampf gegen Keime und Legionellen. Dank seiner sehr guten Depotwirkung baut es Biofilme ab und vermindert die Neubildung von Keimnestern. Auch eine permanente UV-Bestrahlung kann zur Verminderung der Legionellen beziehungsweise zur Verlängerung der notwendigen Desinfektionsintervalle verwendet werden.

4. Bestimmungsgemäßer Betrieb
Legionellen vermehren sich vor allem zwischen 25 °C und 45 °C. Diesen Temperaturbereich gilt es daher zu vermeiden. Nach der DIN 1988-200 sollten Trinkwassererwärmer mindestens auf eine Dauertemperatur von 60 °C eingestellt sein. Zirkulierende Installationen dürfen höchstens einen Temperaturabfall von 5 Kelvin aufweisen. Daher ist es sinnvoll, Rohre gut zu dämmen. Gegebenenfalls können Zirkulationssysteme sowie Begleitheizungen integriert werden. Eine Übertragung der Temperatur auf parallel laufende Kaltwasserleitungen muss dabei unbedingt vermieden werden.

Worauf können Sie achten?

Für eine optimale Trinkwasserhygiene ist es wichtig, einige Faktoren zu berücksichtigen.
Zum Beispiel durch fachgerechte Auslegung und entsprechende Wasseraufbereitung die Grundlage für saubere Rohrleitungen zu schaffen. Zudem sollte bei der Inbetriebnahme und der Wartung großes Augenmerk auf die Hygiene gelegt werden. Außerdem empfiehlt es sich, regelmäßige Untersuchungen vorzunehmen. Im Fall einer Kontaminierung muss schnell und souverän gehandelt sowie das Gesundheitsamt informiert werden.

All diese Maßnahmen genügen aber auch dann nicht, wenn eine Anlage nicht bestimmungsgemäß betrieben wird. Hier sind die Betreiber gefragt – und damit auch die Planer und Installateure, die ihrer Hinweispflicht nachkommen und die Betreiber informieren müssen.